Entgegen den ersten Schritten des Erwachsenwerdens, einem Ende und bitterer Realität – oder auch: Inmitten Unmengen von Spaß, einem Neuanfang und wahrer Illusionen

 

Ich hatte ein wunderschönes Wochenende. Nach ein paar Gossip-Stunden im Starbucks, folgte deutliche Spontaneität, hitziger Ideenreichtum, Tatendrang und deren Umsetzung. Essen gehen, Fotofix – all den Mist, der zusammen solchen Spaß macht. „Feststellungen“, die einen zum Lachen bringen, aber mich auch traurig machen. So endgültig. So abschließend. So vorbei? Doch auch ich sehe der Wahrheit inzwischen ziemlich ins Auge. Ich weiß, wieso. Und neben dem winzig, kleinen Trübsal, war so viel Freude, so viel Lachen, so viel Sorgenlosigkeit mit euch. Ich weiß nicht, aber ich glaube, das geht nur mit euch. Noch nie zuvor, war ich so sorgenfrei. Was derart paradox ist, wenn man bedenkt, was ich davor erlebt habe und mit welcher Endgültigkeit ich dieses Wochenende jemanden verabschiedet habe. Aus meinem Herzen – aus meinen Gedanken. Und doch… war es wunder-. wunderschön. Und wenn Silvester noch klappt, ach, Mädels, das wird der Knaller.

Ich bin so froh, dass ich euch habe.

So… und jetzt…

Ich habe ihn gesehen.

Ihn. Ihn. Ihn.
Da stand er, ich sah seine Jacke, erinnerte mich… sah genauer hin. Und hyperventilierte. Das ist so ein Moment, der nicht zu vergessen ist. Ich weiß nicht, aber eine so derartige Gefühlsinfusion hatte ich nicht erwartet. So ein Moment, in dem die Welt still steht. In dem alles egal ist. Deine Mitmenschen, selbst solche, die man liebt. Die Zeit egal ist, die man normalerweise streng im Auge hat. Dein Aussehen, das einem nirgendwo egal sein könnte – nicht mir. Und ein kurzer Blick. Eine wahre Illusion. Eine, die man sich täglich, stündlich – wenn nicht sogar minütlich vorstellt. Eine, die man wahr haben will, aber vor der man dennoch Angst hat.
Ich habe mich auf die Treppe geschmissen – und geatmet. Einfach geatmet. Meinen Kopf auf die Handballen gelegt und versucht, zur Ruhe zu kommen. Einfach atmen. Nur atmen. Mehr nicht. Das war in dieser Sekunde das wichtigste. Denn selbst das, fängt man an zu vergessen.
Er war so schön. Noch schöner, als ich in Erinnerung hatte. So schön. Mir war egal, mit wem er da war oder wieso. Mir war alles egal. Ich wusste nichts. Nur, dass er da stand. Er. Jemand, der mir seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich vermisse ihn so. Und dann sieht man ihn plötzlich… und man ist komplett überrumpelt.

Für mich sind Illusionen Grashalme. Es gibt immerhin gewisse Gemeinsamkeiten. Eine Illusion ist nichts, was sicher ist. Nichts, worauf man sich verlassen kann. Erst recht kein sicherer Schutz. Nur ein lockerer Halt. Von oben. Man betrachtet die Welt von oben. In einer Illusion, meistens Wünsche, ist alles besser, ist alles schöner. Man ignoriert die Wahrheit und erst recht die Realität. Auf einem Grashalm ist das ähnlich. Man sieht alles von oben. Weniger detailliert, sodass man die Wahrheiten und die Realität gar nicht erkennen kann. Man ist distanziert von dem realen und von den Gefühlen. Man begibt sich einer Schwerelosigkeit, die einen taub macht, aber auch glücklich. Das sind Grashalme, sowie Illusionen. Wie oft wollte ich ihm wieder begegnen? Wie oft habe ich mich also an einen Grashalm geklammert? Und ich, wie ein kleiner Grashüpfer, fühle mich wohl da oben. Da oben, wo ich nichts Genaues sehen kann. Da oben, wo ich meinen Illusionen nachgehen darf.

Und dann – ganz plötzlich – knallt der kleine Grashüpfer fest auf den Boden. Boden ist Realität. Wahrheit. Wahrheit, dass ich nichts von ihm weiß, er auch nicht von mir. Wahrheit, dass er mich nicht vermisst. Wahrheit, dass zwischen uns seit Wochen nichts mehr ist. Und Wahrheit tut weh. Wahrheit will der kleine Grashüpfer, der seine Grashalme liebt, nicht hören. Und doch – sobald man mit der Tatsache konfrontiert wird, dass es bloß Grashalme, oder eben Illusionen sind, dann ist man verwirrt. Man will es nicht glauben. Deshalb rennt man weg. Man rennt weg vor dem Unheil, als das Grashalm auf den Boden klatschte. Man sucht sich neue Illusionen…

Ich verliere dich nicht. Nicht in meinem Kopf. Ich bleibe stets auf dem Grashalm und warte, bis ich mich mit dem Boden anfreunden kann und der Wahrheit in’s Auge blicke.

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