SOMETIMES IT TAKES A GOOD FALL TO REALLY KNOW WHERE YOU STAND

»Sie (jung) schreibt über Impulsivität und andere Katastrophen.«

Monat: Juli, 2011

Das beschissene Phänomen der Zeit

„Die Zeit heilt alle Wunden.“

Wie oft musste man sich diesen Satz schon anhören? Tröstend wäre es, würde es sich dabei um oberflächlichen, blutigen Schmerz handeln. Doch aus welchem diffusen Grund auch immer – selbst der Schmerz der Trauer, des Kummers – kurz: der Liebe – ist gemeint. Welcher, verzeiht mir, Idiot lässt sich so etwas denn einfallen?

Es vergeht die Zeit…
Und nichts ändert sich
Es ist, als ob sie an mir festhält
Ich will sie doch längst abschütteln
Aber sie ist so stark
Sie lässt mich nicht vergessen
Hält deinen Platz frei
Bis heute kann ihn niemand einnehmen

Kaum fühlen wir Freude, Spaß, Glück schon rächt sich die Zeit. Gleitet zwischen unsere Finger, schneller, als dass wir Fäuste ballen können. Zu schnell, sodass wir keine Chance haben und die Zeit schneller ist, als gewöhnlich. Doch fühlen wir Trauer, Einsamkeit, Trostlosigkeit – da grinst sie frech und keck. Macht es sich auf unserer Handfläche gemütlich. Klebt an ihr. Wir rubbeln sie ab, doch vergebens. Keine Chance. Die Zeit vergeht in ihrem eigenen Tempo.

Illusionen.

…in Wahrheit blicken wir stets im gleichen Winkel auf unsere Hände. Die Zeit rieselt in gleichmäßigen Abständen zwischen unsere Finger. Und doch neigt der Mensch zu diesen Objektiven. Solche, die unsere Sicht einschränken, verändert, gar manipulieren.

Ist es nicht erschreckend, wie unsere Gefühle uns manipulieren? Uns, die Zeit, unsere Wahrnehmung? Ist das nicht gemein?

Ich würde so viel dafür geben, dass die „Ich-bin-scheiße-drauf-mein-Leben-ist-beschissen-also-macht-die-Zeit-es-sich-auf-meiner-Hand-gemütlich-und-weilt-länger-als-geplant-dort“-Objektive mit den „Mohowa-geht’s-mir-großartig-lass-diesen-Moment-nie-enden-und-trotzdem-schwindet-die-Zeit-schneller-als-ich-denken-kann“-Objektiven tauschen würde. Nur für dieses Gefühl.

Wollen

Es ist so schwer, sich festzulegen, was man wirklich und wahrhaftig will. Tag ein Tag aus behaupten wir, wir würden dies und das wollen, wir werfen mit der „Ich will…“-Aussage um uns rum, ohne denn wirklichen Sinn dahinter tatsächlich zu verstehen. Denn wann wollen wirklich wir selber, unser eigenes Denken, ohne Einfluss, ohne Beschränkung, wann wollen wir was wirklich?

Allgemein bekannt ist es ja längst, dass Dinge, die wir nicht bekommen, die unerreichbar für uns aussehen, solche, die außerhalb unserer Möglichkeiten zu sein scheinen mag, dass genau diese Dinge, die am meist begehrtesten sind. Ergibt das Sinn? Wenn die Person, die ich liebe, mich mit keinen Blickes würdigt, ist sie noch viel anziehender, als wenn sie mir ihre Aufmerksamkeit schenkt. Das widerstrebt jeglicher Fairness.

 Ich will älter sein
 Ich will schön sein
 Ich will toll sein
 Ich will Gerechtigkeit
 Ich will Belohnung für meine Arbeit
 Ich will Glück

Gliedert man diese Verlangen ein, erkennt man klare Abstufungen. Es gibt Wünsche, die durch mein Umfeld ausgelöst werden. Ich will älter sein, um mich besser anpassen zu können. Ich will schön sein, um akzeptiert zu werden. Ich will toll sein, um geliebt zu werden. Alles, nur, damit mir die Menschen mit denen ich lebe, eine Gegenleistung aufbringen. Mein Verlangen steht also auf dem, was andere verlangen. Denn ich will das sein, was andere wollen, damit ich mich besser fühle.
Dann gibt es das, was ich „Defizit-Verlangen“ nenne. Wenn es mir nicht fair erscheint, wenn ich das Gefühl habe, dass etwas, das Schicksal, die Drehung der Welt oder was auch immer sich nicht richtig verhält. Wenn etwas nicht richtig ist – wenn es mir so erscheint, dann hebt man das auf. Man will es aufheben. Ich will gerecht behandelt werden, denn ich will ein ebenso wunderbares Leben haben, wie welche mit mehr Schönheit, Geld oder Charisma. Ich will belohnt werden, für das was ich tue.

Und dann zum wirklich wichtigen. Das, was ich wirklich will. Nicht etwas, was durch andere erst aufkommt, nicht etwas, dass ich verlange, nur weil ich Mangel empfinde. Sondern etwas, was ich mir wirklich mit jeder Faser meines kleinen Körpers herbeisehne. Glück.

Im Grunde verlangt ein Mensch, wie du und ich und jedes andere junge Mädchen da draußen, nicht mehr als das. Glücklich sein. Und doch bemerkt man kaum, wenn das Glück einen besucht hat, erst viel später… wenn es wieder weg ist und man die erdrückende Leere in sich fühlt.

So ist Wollen etwas ziemlich Allgemeines. Etwas, was wir alle empfinden. Und rein gar nicht individuelles. Sehnen wir uns denn nicht alle nach ein kleines bisschen Glückseligkeit?