Das beschissene Phänomen der Zeit

von S

„Die Zeit heilt alle Wunden.“

Wie oft musste man sich diesen Satz schon anhören? Tröstend wäre es, würde es sich dabei um oberflächlichen, blutigen Schmerz handeln. Doch aus welchem diffusen Grund auch immer – selbst der Schmerz der Trauer, des Kummers – kurz: der Liebe – ist gemeint. Welcher, verzeiht mir, Idiot lässt sich so etwas denn einfallen?

Es vergeht die Zeit…
Und nichts ändert sich
Es ist, als ob sie an mir festhält
Ich will sie doch längst abschütteln
Aber sie ist so stark
Sie lässt mich nicht vergessen
Hält deinen Platz frei
Bis heute kann ihn niemand einnehmen

Kaum fühlen wir Freude, Spaß, Glück schon rächt sich die Zeit. Gleitet zwischen unsere Finger, schneller, als dass wir Fäuste ballen können. Zu schnell, sodass wir keine Chance haben und die Zeit schneller ist, als gewöhnlich. Doch fühlen wir Trauer, Einsamkeit, Trostlosigkeit – da grinst sie frech und keck. Macht es sich auf unserer Handfläche gemütlich. Klebt an ihr. Wir rubbeln sie ab, doch vergebens. Keine Chance. Die Zeit vergeht in ihrem eigenen Tempo.

Illusionen.

…in Wahrheit blicken wir stets im gleichen Winkel auf unsere Hände. Die Zeit rieselt in gleichmäßigen Abständen zwischen unsere Finger. Und doch neigt der Mensch zu diesen Objektiven. Solche, die unsere Sicht einschränken, verändert, gar manipulieren.

Ist es nicht erschreckend, wie unsere Gefühle uns manipulieren? Uns, die Zeit, unsere Wahrnehmung? Ist das nicht gemein?

Ich würde so viel dafür geben, dass die „Ich-bin-scheiße-drauf-mein-Leben-ist-beschissen-also-macht-die-Zeit-es-sich-auf-meiner-Hand-gemütlich-und-weilt-länger-als-geplant-dort“-Objektive mit den „Mohowa-geht’s-mir-großartig-lass-diesen-Moment-nie-enden-und-trotzdem-schwindet-die-Zeit-schneller-als-ich-denken-kann“-Objektiven tauschen würde. Nur für dieses Gefühl.

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