SOMETIMES IT TAKES A GOOD FALL TO REALLY KNOW WHERE YOU STAND

»Sie (jung) schreibt über Impulsivität und andere Katastrophen.«

Kategorie: Herzenssachen

Wie lange das wohl noch hält

Ein Mensch mit Gefühlen ist nichts anderes als ein Gerüst mit Ballasten. Die einen sind aus besserem Holz gemacht, sind besser ausgestattet, wurden besser gepflegt – die anderen existieren ungewollt, instabil und halten alles nur bis zu einem gewissen Grad aus. Und in diesem Meer von Gerüsten spiegeln wir Menschen uns wider – denn auch wir sind nur da, um Leid und Freude zu bewältigen. Denn das ist das sogenannte „Leben“.

So kann Wochen zuvor alles unbegreiflich gut sein. Das Schicksal kann sich von seiner allerbesten Seite zeigen. Wir haben Ziele erreicht. Wir sind frei von Gewicht – frei von Gefahr. Wir, ob robust ausgestattet oder doch mitleidig schwach, stehen alle mit jedem Fuß unseres Gerüstes da. Und beten zum Himmel, dass nichts und niemand einen Weg zu uns findet. Jetzt, da wir doch absolut befreit sind.

 

Doch wie lange hält sowas?

Richtig – Glück ist schneller weg, als dass man sich daran gewöhnt.

 

Und nun folgen Woche für Woche, Tag für Tag… von Ereignis zu Ereignis weitere tonnenschwere Ballaste, die sich auf unserem Gerüst – unserem Geist – platzieren.  Sie sind unerwünscht, verhasst und in jedem Maße verflucht. Doch sie sind wie Unkraut, sie kommen immer wieder. Und jedes Gerüst muss seine Grenzen austesten.

 

Bis der Moment kommt, in dem es anfängt zu knacken.

 

Und man nicht mehr weiß, wie lange man dem noch Stand halten kann.

Zu gut

Immer wieder erstaunlich, wie wir Menschen es schaffen, an allem was wir haben, Zweifel zu finden. So fügen sich Gegebenheiten, die bisher nicht mal im Entferntesten in unserer Vortsellungskraft lagen und Wünsche gehen in Erfüllung, die du für einen geraumen Zeitraum schon außer Acht gelassen hast. Du reagierst absolut perplex. Wie kann alles denn plötzlich eine solch glückselige Wendung machen?

Und dann frage ich mich: Wo ist der Haken? Bedingungslos hat mein Glück keiner verdient. Das, was mir wiederfährt, ist zu gut, zu viel, zu wunderbar. Inwiefern muss ich dafür noch zahlen?

Und das ist der gottverdammte menschliche Zweifel. Einer, der uns nicht in Ruhe lässt. Uns selten friedlich glücklich sein lässt. Weil er er sich stets mit einem „Das hast du nicht verdient“ zu Wort meldet. Aber ganz ehrlich, du kleines Miststück, verschwinde. Verschwinde.

SUDDEN SORROW

Ich habe eben dieses Zitat entdeckt und mich an „Beim Leben meiner Schwester“ von Jodi Picoult erinnert. Das beste, und doch das traurigste, Buch von ihr. Meiner Lieblingsautorin. Ich kann es nur empfehlen, wenn man so richtig weinen will, Drama braucht und vielleicht über den Wert eines Menschen nachdenken will.
Ich war zumindest plötzlich ganz traurig… nicht zuletzt, weil ich selber eine Schwester habe und sie mir unglaublich viel bedeutet. Auch deshalb ist das Buch so besonders.

»Weißt du noch, wie wir dich einmal für's Sommerlager angemeldet haben? Und am Abend vor der Abreise hast du gesagt, du hättest es dir anders überlegt und wolltest zu Hause bleiben? Ich habe gesagt, du sollst dir im Bus einen Platz auf der linken Seite suchen, dann könntest du, wenn der Bus abfährt, zurückschauen und sehen wie ich dort auf dich warte.«
Ich presste ihre Hand an meine Wange, so fest, dass sie einen Abdruck hinterließ. 
»Im Himmel bekommst du den selben Platz. Einen, von dem aus du sehen kannst, wie ich zu dir hochschaue.«

Apropos Zitate: Schaut mal oben in der Leiste. Ich habe mit viel Mühe meine Lieblingszitate aus Filmen, Büchern oder sonstige Sprüche aufgelistet. Vielleicht, entdeckt ihr ja eins, das ihr auch schön findet :)

you don’t realise how much i need you.
please come on back to me.
i’m lonely as can be. i need you.
»the beatles«
i swear that i,
can go on forever, again,
please let me know,
that my one bad day, will end,
are you afraid of being alone?
cause i am,
i’m lost without you,
are you afraid of leaving tongiht?
cause i am
i’m lost without you.
»blink182«

Die einzige Abhängigkeit

Wisst ihr was? Es reicht. Es reicht einfach.

Jetzt mal ganz banal, aber bei „Harry Potter“ im zweiten Buch gibt es diese eine Stelle, die so viel bedeutet. Es ist der Sprechende Hut. Er sagt, es war allein Harrys Wille, der ihn zu dem Haus, zu den Leuten, zu seinem Weg gebracht hat, den er geht. Es sind nicht unser Schicksal, keine Zufälle, keine Verdammnis, die unser Leben bestimmen.

Ich bin glücklich.

Und man kann es sein. Einfach so. Weil ich es will. Weil ich mich dazu entscheide. Weil mein Wille meine Lebensansicht verändert. So optimiert, dass alles besser ist. Denn mein Wille, meine Entscheidung und die darauf folgende Lebensperspektive ist das, woran unser Schicksal, unsere Gefühle und unser Leben abhänig sind. Denn sie machen uns zu dem, was wir sind.
Wenn ich alles stets negativ sehe, wenn ich sage, mir geht es schlecht, wenn ich sage, mein Leben stimmt so nicht. Dann ist es auch so. Weil ich es so sehe.

Aus dem Grund muss man lernen, wie man mit schweirigen, traurigen und schmerzlichen Erfahrungen im Leben umgeht. Man muss lernen, kühlen Kopf zu bewahren. Denn so weiß man bald, was es heißt, das Leben zu genießen. Ein Leben, das ohnehin schon zu kurz ist, als das man die Zeit hätte, Trübsal zu blasen…

 

Entgegen den ersten Schritten des Erwachsenwerdens, einem Ende und bitterer Realität – oder auch: Inmitten Unmengen von Spaß, einem Neuanfang und wahrer Illusionen

 

Ich hatte ein wunderschönes Wochenende. Nach ein paar Gossip-Stunden im Starbucks, folgte deutliche Spontaneität, hitziger Ideenreichtum, Tatendrang und deren Umsetzung. Essen gehen, Fotofix – all den Mist, der zusammen solchen Spaß macht. „Feststellungen“, die einen zum Lachen bringen, aber mich auch traurig machen. So endgültig. So abschließend. So vorbei? Doch auch ich sehe der Wahrheit inzwischen ziemlich ins Auge. Ich weiß, wieso. Und neben dem winzig, kleinen Trübsal, war so viel Freude, so viel Lachen, so viel Sorgenlosigkeit mit euch. Ich weiß nicht, aber ich glaube, das geht nur mit euch. Noch nie zuvor, war ich so sorgenfrei. Was derart paradox ist, wenn man bedenkt, was ich davor erlebt habe und mit welcher Endgültigkeit ich dieses Wochenende jemanden verabschiedet habe. Aus meinem Herzen – aus meinen Gedanken. Und doch… war es wunder-. wunderschön. Und wenn Silvester noch klappt, ach, Mädels, das wird der Knaller.

Ich bin so froh, dass ich euch habe.

So… und jetzt…

Ich habe ihn gesehen.

Ihn. Ihn. Ihn.
Da stand er, ich sah seine Jacke, erinnerte mich… sah genauer hin. Und hyperventilierte. Das ist so ein Moment, der nicht zu vergessen ist. Ich weiß nicht, aber eine so derartige Gefühlsinfusion hatte ich nicht erwartet. So ein Moment, in dem die Welt still steht. In dem alles egal ist. Deine Mitmenschen, selbst solche, die man liebt. Die Zeit egal ist, die man normalerweise streng im Auge hat. Dein Aussehen, das einem nirgendwo egal sein könnte – nicht mir. Und ein kurzer Blick. Eine wahre Illusion. Eine, die man sich täglich, stündlich – wenn nicht sogar minütlich vorstellt. Eine, die man wahr haben will, aber vor der man dennoch Angst hat.
Ich habe mich auf die Treppe geschmissen – und geatmet. Einfach geatmet. Meinen Kopf auf die Handballen gelegt und versucht, zur Ruhe zu kommen. Einfach atmen. Nur atmen. Mehr nicht. Das war in dieser Sekunde das wichtigste. Denn selbst das, fängt man an zu vergessen.
Er war so schön. Noch schöner, als ich in Erinnerung hatte. So schön. Mir war egal, mit wem er da war oder wieso. Mir war alles egal. Ich wusste nichts. Nur, dass er da stand. Er. Jemand, der mir seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich vermisse ihn so. Und dann sieht man ihn plötzlich… und man ist komplett überrumpelt.

Für mich sind Illusionen Grashalme. Es gibt immerhin gewisse Gemeinsamkeiten. Eine Illusion ist nichts, was sicher ist. Nichts, worauf man sich verlassen kann. Erst recht kein sicherer Schutz. Nur ein lockerer Halt. Von oben. Man betrachtet die Welt von oben. In einer Illusion, meistens Wünsche, ist alles besser, ist alles schöner. Man ignoriert die Wahrheit und erst recht die Realität. Auf einem Grashalm ist das ähnlich. Man sieht alles von oben. Weniger detailliert, sodass man die Wahrheiten und die Realität gar nicht erkennen kann. Man ist distanziert von dem realen und von den Gefühlen. Man begibt sich einer Schwerelosigkeit, die einen taub macht, aber auch glücklich. Das sind Grashalme, sowie Illusionen. Wie oft wollte ich ihm wieder begegnen? Wie oft habe ich mich also an einen Grashalm geklammert? Und ich, wie ein kleiner Grashüpfer, fühle mich wohl da oben. Da oben, wo ich nichts Genaues sehen kann. Da oben, wo ich meinen Illusionen nachgehen darf.

Und dann – ganz plötzlich – knallt der kleine Grashüpfer fest auf den Boden. Boden ist Realität. Wahrheit. Wahrheit, dass ich nichts von ihm weiß, er auch nicht von mir. Wahrheit, dass er mich nicht vermisst. Wahrheit, dass zwischen uns seit Wochen nichts mehr ist. Und Wahrheit tut weh. Wahrheit will der kleine Grashüpfer, der seine Grashalme liebt, nicht hören. Und doch – sobald man mit der Tatsache konfrontiert wird, dass es bloß Grashalme, oder eben Illusionen sind, dann ist man verwirrt. Man will es nicht glauben. Deshalb rennt man weg. Man rennt weg vor dem Unheil, als das Grashalm auf den Boden klatschte. Man sucht sich neue Illusionen…

Ich verliere dich nicht. Nicht in meinem Kopf. Ich bleibe stets auf dem Grashalm und warte, bis ich mich mit dem Boden anfreunden kann und der Wahrheit in’s Auge blicke.